Direkt zum Hauptbereich

Posts

Zwischen Varroamilbe und Hornissendruck: Warum Bienenvölker sterben, die Honigbiene aber nicht ausstirbt

Wenn Bieneninstitute und Monitoring-Projekte im Frühjahr die Auswinterungszahlen veröffentlichen, schlagen die Meldungen verlässlich hohe Wellen. Verlustraten von 15, 20 oder regional über 30 Prozent der eingewinterten Bienenvölker sind keine Seltenheit. Für Imkerinnen und Imker bedeuten solche Zahlen einen herben Rückschlag: Sie stehen für verlorene Arbeitsstunden, vernichtete Völkerbiomasse und schmerzhafte wirtschaftliche Einbußen. In den Medien wird daraus jedoch reflexartig das vertraute Schreckensszenario konstruiert: „Das große Sterben geht weiter – die Biene verschwindet.“ Wer diese Vorgänge naturwissenschaftlich betrachtet, erkennt rasch die methodische Schieflage. Bienenvölker sterben tatsächlich zu Hunderttausenden – doch die Art Apis mellifera befindet sich in keinerlei Aussterbedynamik. Um diesen scheinbaren Widerspruch aufzulösen, muss man tief in die Bienenpathologie, die Parasitologie und die Populationsmechanismen der Nutztierhaltung eintauchen. Die Bedrohungen am Bie...

Immer mehr Bienenvölker in Deutschland? Nein – die Statistik erzählt eine andere Geschichte

 Immer wieder begegnet mir in Diskussionen über Bienen eine scheinbar beruhigende Zahl: In Deutschland gebe es „immer mehr Bienenvölker“. Manchmal wird daraus sogar das Argument abgeleitet, die Sorge um Bienen oder Bestäuber sei übertrieben. Tatsächlich ist die Zahl der gehaltenen Honigbienenvölker seit einem Tiefpunkt in den 2000er-Jahren wieder gestiegen. Die Behauptung, es gebe in Deutschland immer mehr Bienenvölker, ist trotzdem falsch. Sie entsteht dadurch, dass man die Statistik genau dort beginnen lässt, wo die Kurve ihren Tiefpunkt erreicht hat. Das Bundesinformationszentrum Landwirtschaft nennt für 2007 rund 670.000 Bienenvölker und für 2024 etwa 964.000. Wer nur diese beiden Zahlen betrachtet, sieht einen Anstieg um rund 44 Prozent. Das ist korrekt. Es ist aber nur ein Ausschnitt aus einer wesentlich längeren Entwicklung. Bereits historische Quellen zeigen, dass Deutschland früher erheblich mehr Bienenvölker hatte. In einem Antrag im Deutschen Bundestag aus dem Jahr 2008...

Neophyten in Frankfurt: Die Kanadische Goldrute – wertvolle Nahrungsquelle und trotzdem problematisch?

Serie: Neophyten in Frankfurt Wer im Spätsommer durch Frankfurt läuft oder mit dem Fahrrad an Bahndämmen, Brachen und Wegrändern entlangfährt, kann sie kaum übersehen: hohe Pflanzen mit großen gelben Blütenrispen, häufig nicht einzeln, sondern gleich in dichten Beständen. Auf den Blüten sitzen Honigbienen, Wildbienen, Schwebfliegen, Käfer und andere Insekten. Auf den ersten Blick sieht das nach einem kleinen Paradies für Bestäuber aus. Tatsächlich handelt es sich häufig um die Kanadische Goldrute, Solidago canadensis . Und gerade an ihr lässt sich gut zeigen, warum ökologische Zusammenhänge komplizierter sind als die einfache Gleichung „viele Blüten = gut für die Natur“. Die Kanadische Goldrute stammt ursprünglich aus Nordamerika und wurde als Zierpflanze nach Europa gebracht. Heute ist sie in Deutschland fest etabliert. Damit gehört sie zu den sogenannten Neophyten: Pflanzenarten, die durch menschlichen Einfluss in Gebiete gelangt sind, in denen sie ursprünglich nicht vorkamen. Der Be...

Ist das noch Honig? Was hinter der Debatte um Honigverfälschung steckt

 Honig gehört zu den Lebensmitteln, bei denen Verbraucher vermutlich eine ziemlich klare Vorstellung davon haben, was im Glas steckt: Bienen sammeln Nektar oder Honigtau, verarbeiten ihn im Bienenstock und der Imker erntet den fertigen Honig. Die Realität des internationalen Honighandels ist deutlich komplizierter. Seit einigen Jahren sorgen Untersuchungen für Schlagzeilen, nach denen große Mengen importierten Honigs möglicherweise mit Zuckersirup gestreckt werden. Besonders häufig wird dabei eine Zahl genannt: 46 Prozent . Fast die Hälfte des untersuchten Honigs sei verfälscht gewesen, heißt es dann schnell. Die Zahl ist real. Die Schlussfolgerung ist trotzdem zu einfach. Woher kommen die 46 Prozent? Die Zahl stammt aus einer europaweiten Kontrollaktion mit dem Namen „From the Hives“. Zwischen November 2021 und Februar 2022 wurden 320 Sendungen von Honig untersucht, die aus 20 Ländern in die Europäische Union importiert wurden. Die Proben wurden vom Joint Research Centre der Europ...