Teil 2 unserer Serie über die Chubb-Patenbienen bei Sandig & Summ: Die Natur stellt sich vor die Bienen
Der Sommer geht zu Ende und bei unseren beiden Patenvölkern von Chubb beginnt eine entscheidende Phase des Bienenjahres. Die Honigernte ist abgeschlossen, die Völker bereiten sich auf den Winter vor – und wir helfen dabei. Nach der Honigernte werden die Bienen aufgefüttert. Schließlich haben wir ihnen mit dem Honig einen Teil ihrer Wintervorräte genommen. Über Futteraufsätze bekommen die Völker deshalb ausreichend Nahrung, damit sie mit genügend Reserven in die kalte Jahreszeit gehen können.
Eigentlich könnte es jetzt langsam ruhiger werden am Bienenstand. In den vergangenen Jahren war der Spätsommer für mich vor allem die Zeit, in der Futter kontrolliert, die Volksstärke beobachtet und die Überwinterung vorbereitet wurde. Inzwischenz gibt es allerdings einen neuen Akteur am Bienenstand: die Asiatische Hornisse (Vespa velutina nigrithorax).
Ein neuer Jäger vor dem Flugloch
Die Asiatische Hornisse wurde 2004 erstmals in Frankreich nachgewiesen und hat sich seitdem über große Teile Westeuropas ausgebreitet. In Deutschland gelang der erste Nachweis 2014. Ihre Ausbreitungsgeschwindigkeit und vor allem ihre Reproduktionsleistung sind bemerkenswert. Ein Nest produziert im Mittel etwa 350 Jungköniginnen, bei großen Nestern können es mehr als 1.000 sein. Natürlich überlebt längst nicht jede dieser Königinnen den Winter und nicht jede gründet im folgenden Frühjahr erfolgreich ein neues Volk. Für eine weitere Ausbreitung reicht aber ein kleiner Teil davon.
Für Imker wird die Asiatische Hornisse vor allem deshalb zum Problem, weil Honigbienen eine attraktive und in großer Zahl verfügbare Beute darstellen. Die Jagdstrategie lässt sich direkt am Bienenstand beobachten: Die Hornissen stehen teilweise im Schwirrflug vor dem Flugloch und warten auf heimkehrende Bienen. Diese werden im Flug abgefangen und häufig auf einem nahegelegenen Sitzplatz zerlegt. Untersuchungen aus Frankreich beschreiben genau dieses sogenannte „bee-hawking“.
Das Problem besteht dabei nicht allein aus den tatsächlich erbeuteten Bienen. Bei hohem Jagddruck reduzieren Bienenvölker ihre Flugaktivität erheblich. Im Extremfall entsteht eine so genannte Flugparalyse: Die Bienen verlassen den Stock kaum noch, obwohl sie eigentlich noch Pollen und Nektar eintragen könnten. Gerade im Spätsommer und Herbst kann das ein Volk zusätzlich schwächen. Französische Untersuchungen und Erfahrungen aus stark betroffenen Regionen zeigen, dass der Jagddruck zu dieser Jahreszeit besonders hoch werden kann.
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| Eine Asiatische Hornisse in einer Lebendfalle vor meinen Beuten (keine KI!) |
Und was macht der Imker?
Eine einfache Lösung gibt es bislang nicht. Vor den Chubb-Beuten waren deshalb zu Beginn der diesjährigen Jagdsaison sogenannte Maulkörbe angebracht. Sie schaffen einen geschützten Bereich unmittelbar vor dem Flugloch und erschweren den Hornissen den direkten Zugriff auf die ein- und ausfliegenden Bienen. Das grundlegende Problem lösen sie allerdings nicht: Die Hornissen können weiterhin vor der Beute jagen.
Und dann gibt es noch eine etwas weniger technische Methode. Wer in den vergangenen Wochen an meinem Bienenstand vorbeigekommen ist, konnte dort mit etwas Glück einen Imker beobachten, der mit einem Schmetterlingsnetz vor seinen Bienenstöcken steht. Tatsächlich fange ich einzelne Asiatische Hornissen damit direkt vor den Fluglöchern ab. Das ist sicherlich keine Strategie, mit der sich die Ausbreitung der Art stoppen lässt. Aber bei wenigen jagenden Tieren kann ich zumindest den unmittelbaren Druck auf meine Völker reduzieren.
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| Das Flugloch geschützt von der Natur: die Bienen kommen problemlos an ihr Ziel |
Meine erste Verteidigungslinie wächst vor der Beute
Noch interessanter finde ich allerdings eine Beobachtung an den Chubb-Völkern. Meine Bienen stehen nicht auf einer sauber gemähten Fläche mit freier Einflugschneise. Rund um die Beuten wachsen heimische Wildpflanzen, Stauden und andere Vegetation. Was auf den ersten Blick vielleicht etwas unaufgeräumt aussieht, könnte gegenüber der Asiatischen Hornisse durchaus einen Vorteil haben.
Ihre Jagd funktioniert besonders gut, wenn sie vor einer Beute im Schwebeflug auf heimkehrende Bienen warten kann. Genau diese freie Flugbahn versuche ich ihr zu nehmen. Äste, Stauden und Blätter strukturieren den Raum unmittelbar vor den Fluglöchern. Die Bienen kennen ihren Stock und finden ihren Weg durch die Vegetation. Für eine Hornisse, die eine Biene im freien Flug abfangen möchte, wird die Situation dagegen komplizierter. Ob und wie stark solche Vegetationsstrukturen den Jagderfolg tatsächlich reduzieren, müsste systematisch untersucht werden. Dass die Jagd der Asiatischen Hornisse wesentlich über das Lauern und den Schwirrflug vor den Beuten funktioniert, ist dagegen gut beschrieben. Und genau deshalb lasse ich es an dieser Stelle ganz bewusst ein bisschen wild.
Es ist eine einfache Idee: Nicht jede Fläche rund um einen Bienenstock muss freigeräumt sein. Natur kann auch Struktur und Schutz bedeuten. Ob daraus langfristig eine wirksame Strategie gegen die Asiatische Hornisse wird, werden Erfahrungen und Forschung zeigen müssen. An unseren Chubb-Patenvölkern ergänzen sich derzeit jedenfalls mehrere Maßnahmen: geschützte Fluglöcher, meine regelmäßigen Kontrollen – gelegentlich inklusive Schmetterlingsnetz – und die Vegetation unmittelbar vor den Beuten. Man könnte es auch etwas weniger wissenschaftlich ausdrücken: Die Natur und ich stellen uns gerade gemeinsam vor die Bienen von Chubb.
Und während vor den Beuten gejagt und verteidigt wird, läuft im Inneren die Vorbereitung auf den Winter weiter. Die Völker nehmen ihr Futter ab, die Winterbienen werden aufgezogen und das Bienenjahr geht langsam in seine ruhigere Phase über. Zumindest für die Bienen. Für den Imker ist durch die Asiatische Hornisse eine neue Aufgabe hinzugekommen.
Über Vespa velutina, ihre Ausbreitung und die verschiedenen Möglichkeiten, Bienenvölker zu schützen, werde ich hier auf Sandig & Summ noch ausführlicher berichten.



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